Messen können alle, Bewerten ist die Kunst

Evaluation bedeutet systematisches Bewerten. Trotzdem fällen viele Evaluationen kein explizites Werturteil oder lassen im Unklaren, wie genau sie zu ihnen kommen.
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Public Domain Image by Piotr Siedlecki

Evaluation bedeutet systematisches Bewerten. Trotzdem fällen viele Evaluationen kein explizites Werturteil wie „gut“, „nicht erfolgreich“ oder „verbesserungswürdig“. Oder sie enthalten solche Aussagen, lassen aber im Unklaren, wie genau sie zu ihnen kommen.

Beispiele finden sich in den unterschiedlichsten Evaluationskontexten.

So lassen etwa viele Lehrevaluationen die Lehrenden mit der Frage, ob ein rückgemeldeter Mittelwert nun „gut“ oder „ausreichend“ ist, allein.

In anderen Fällen spricht die Berichterstattung zwar wertende Urteile aus, es wird aber nicht klar, wie es von den qualitativen oder quantitativen Ergebnissen zur Bewertung im Rahmen von Interpretation (z.B. „besonders erfolgreich war…“) und Empfehlungen (z.B. „verbesserungswürdig ist …“) kam.

Ein weiterer Fall sind Vergleichsgruppendesigns, in denen die Bewertung an statistische Auswertungsverfahren wie Signifikanztest oder Effektstärkemaße delegiert werden. Dabei wird selten hinterfragt, ob solche statistischen Kennwerte eine Bewertung z.B. als „erfolgreich“ überhaupt begründen können.

Zuletzt kann man generische Kriteriensysteme wie etwa die des OECD-DAC anführen, die oft mechanisch zur Anwendung gebracht werden, ohne eine bewusste und kontextangemessene Auswahl oder Anpassung von Kriterien zu treffen.

Diese und ähnliche Fragen waren Anlass, einen Workshop zum Thema zu konzipieren, den ich im Vorprogramm der diesjährigen Jahrestagung der DeGEval - Gesellschaft für Evaluation e.V. erstmals anbieten werde.

Der Workshop rückt das Bewerten als Wesenskern des Evaluierens in den Vordergrund und will zu einem bewussteren und begründeteren Umgang mit der Wertungsfrage beitragen.

Offen gesagt, ich war etwas unsicher, ein solches eher "theoretisches" Thema anzubieten, nachdem die "hands-on" Themen oft am stärksten nachgefragt sind. Die bisherige Nachfrage lehrt mich eines Besseren, denn laut DeGEval-Geschäftsstelle sind derzeit nur noch wenige Plätze verfügbar.

Ich freue mich sehr über die Nachfrage und bin sehr gespannt auf den Austausch zum Thema. Die vollständige Beschreibung zum Workshop "Messen können alle, Bewerten ist die Kunst: Bewusster umgehen mit der Wert(ungs)frage in unterschiedlichen Evaluationskontexten" findet sich hier.